Über Brackel

Anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung dieses Ortes Anno 980, fand im Jahre 1980 eine 1000-Jahr-Feier statt. 1979 ist das Gründungsjahr der ABV. Über das wirkliche Alter Brackels besagt die Tatsache jedoch nichts. Das gerade der Text jener Urkunde erhalten geblieben ist, ist reiner Zufall. Die Urkunde beweist jedoch, dass im Jahre 980 bereits eine dörfliche Siedlung in Brackel existiert hat.

Zumindest ist davon auszugehen, dass die Anfänge Brackels bis in die fränkische Zeit, also die Zeit Karls des Großen, zurückreichen. Hierfür sprechen schon die Lage des Dorfes an dem strategisch so bedeutsamen Hellweg, sowie die Tatsache, dass es sich hier zum großen Teil um Reichsgut, also um königlichen Besitz handelte.

Um den Ort herum siedelten die königlichen Zinsbauern, meist altgediente Soldaten, also Franken. Die alten Hofnamen  — „Frenking, Heßling, Bötterling, Benking, Hidding, Segering" —  deuteten noch darauf hin. Das Bewusstsein der Reichszugehörigkeit bei den Brackeler „Reichsleuten" ist stets lebendig geblieben. Da aber die frühen Jahrhunderte der Brackeler Geschichte in völligem Dunkel liegen, muss das Datum der Ersterwähnung als Bezugspunkt genommen werden.

Der Name des Ortes Brackel taucht erst etwa 200 Jahre später in einer Urkunde auf, nachdem das karolingische Reich längst zerfallen und aus dessen östlicher Hälfte unter der Herrschaft der Ottonen, der Könige aus sächsischem Hause, das Deutsche Reich entstanden war. Kaiser Otto II. schenkte dem Erzbistum, Erzbischof Adalbert I., und der Kirche zu Magdeburg am 25. August 980 eine königliche Besitzung in „Bracla“.

Es ist von einer gewissen Magd namens Walza mit ihrem Sohn, Huodi genannt, sowie eine Hufe (Hof) die ihr Mann Mais besitzt, mit allem Zubehör, die Rede.

Gesprochen wird der Ortsname Brackel entgegen der Schreibweise mit einem langen a als Braakel. Im Gegensatz zu heute markierte „ck“ in mittelniederdeutscher Zeit nicht immer einen vorausgehenden Kurzvokal, so dass einige Wörter mit langem Vokal ausgesprochen worden sind.

Brackel entwickelte sich als Bauerndorf. Der größere, östliche Teil gehörte als Reichsgut dem König, der kleinere westliche Teil unterstand der Gerichtsbarkeit des Grafen von Dortmund. Dies ist urkundlich für die Zeit nach 1300 nachweisbar. Das Reichsgut Brackel wurde im 13. Jahrhundert mehrfach vom König verpfändet, so unter anderem von Adolf von Nassau am 27. April 1292 an den Erzbischof von Köln Siegfried von Westerburg. Der Reichshof Brackel wechselte nun mehrfach den Besitzer. Zunächst übereignete ihn König Heinrich VII. nach seiner Wahl als Bezahlung seiner Stimme an den Erzbischof von Köln Heinrich II. von Virneburg.

Diese recht wechselhaften Eigentumsübertragungen und Verpfändungen zwischen dem König und als Fürsten dem Grafen von der Mark sowie dem Erzbischof von Köln und der Stadt Dortmund führten dazu, dass auch Brackel im Verlauf der Großen Dortmunder Fehde und auch danach noch mehrfach überfallen und verwüstet wurde. Dies war bedingt durch die Teilung der Gerichtsbarkeit zwischen dem Westdorf zugehörig zu Dortmund und dem Ostdorf zugehörig zum König. 1419 während der Kleve-Märkischen Fehde zwischen Dortmund und dem Grafen von der Mark, 1431 ebenfalls aufgrund von Streitigkeiten zwischen diesen beiden Parteien. Auch 1467 gab es auf der Brackeler Kirmes heftige Schlägereien zwischen Besuchern aus Dortmund und denen aus den märkischen Städten Unna und Kamen.

Nach dem Tod des letzten Grafen von Dortmund im Jahr 1504 fiel die Grafschaft Dortmund, hiermit auch das Westdorf von Brackel an die Stadt Dortmund. Kaiser Maximilian I. belehnte daraufhin am 12. Oktober 1504 die Stadt Dortmund mit der gesamten Grafschaft. Dennoch kam es weiterhin zu Streitigkeiten zwischen dem Grafen von der Mark und der Stadt Dortmund. Erst am 9. Oktober 1565 kam es in Hörde zu einem Kompromiss: Brackel und Schüren gingen an den Grafen von der Mark, Wambel blieb jedoch bei Dortmund.

1847 wurde die erste Eisenbahnstrecke über Brackeler Gebiet errichtet. Die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft baute eine Strecke von Dortmund nach Hamm. Ein Haltepunkt wurde in Kurl, ein weiterer an der Flughafenstraße zwischen Brackel und Scharnhorst errichtet. Bereits 1854 kaufte der Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein Grubenfelder südlich des Hellwegs auf Brackeler und Asselner Gebiet. Nachdem Probebohrungen erfolgreich waren, wurde direkt mit dem Abteufen zweier Schächte begonnen und die Zeche Schleswig gegründet. Für den Transport der Kohle nach Hörde wurde eine Schmalspurstrecke eingerichtet. Diese Strecke wurde einige Jahre später auf Normalspur umgebaut und an das Eisenbahnnetz der Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft von Dortmund über Unna nach Soest angeschlossen. In Höhe des Ortsmittelpunktes wurde der Bahnhof Brackel am Kreuzungspunkt Westfälische Straße/Graffweg gebaut. Dies begünstigte die Entwicklung und Entstehung weiterer Firmen und Fabriken, von denen viele noch heute tätig sind.

Die Ruhrbesetzung durch französische und belgische Truppen erreichte im Januar 1923 auch Brackel. Hier wurde die Holzwickeder Straße zur Grenze des besetzten Gebietes. Somit wurde Brackel quasi in der Mitte geteilt.

1925 wurde die Zeche Schleswig geschlossen. Der Flughafen Brackel, heute Flughafen Dortmund wurde am 27. April 1925 eröffnet. Bedient wurde die Fluglinie Kopenhagen-Hamburg-Bremen-Dortmund-Frankfurt(M)-Stuttgart-Zürich. Am 10. August 1930 landete das Luftschiff Graf Zeppelin unter dem Zuspruch von 120.000 Menschen auf dem Brackeler Flughafen. Bis Ende der 1930er Jahre entwickelte sich der Flughafen zu einem bedeutenden Verkehrsflughafen, danach wurde er zu einem Militärflugplatz umgebaut.

Zu Beginn des Krieges blieb Dortmund-Brackel von Bombenangriffen zunächst verschont. Die ersten Bomben fielen 1940 auf die Flakstellung in der Holzwickeder Straße. Später jedoch, nach 1943 und auch bedingt durch den Flughafen Brackel, gab es zahlreiche Bombenabwürfe und Zerstörungen auf Brackeler Gebiet. Der Flughafen Brackel wurde ebenso getroffen wie die Kommende und weitere Höfe und Gebäude. Den amerikanischen Truppen ergab sich Brackel am 12. April 1945, nachdem zuletzt noch ein einzelner Soldat die einrückenden Panzer mit einem Maschinengewehr beschossen hatte.

Nachdem der Flughafen im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe zerstört wurde, nutzte nach dem Krieg die Royal Air Force das Gelände. Der Verkehrsflughafen siedelte 1960 an seinen heutigen Standort im Stadtteil Wickede um. Die heute noch wichtige „Flughafenstraße“, Standort des alten Flughafens Brackel, verwirrt nun oftmals Ortsfremde, die hier den Dortmunder Flughafen vermuten. Auf dem ehemaligen Flughafengelände befinden sich heute, nach Abzug der Britischen Rheinarmee, ein Industrie- und Gewerbegebiet, eine landschaftlich reizvolle 18-Loch-Golfanlage, das Naturschutzgebiet Buschei, das Neubaugebiet Hohenbuschei und das Trainingszentrum von Borussia Dortmund, welches am 8. Mai 2006 hier offiziell eröffnet wurde.

 

Literatur:

Günter Knippenberg: Brackel ein Dorf am westfälischen Hellweg. Systemed Verlag, Lünen 1997, ISBN 3-927372-14-5.
Norbert Reimann: Kleine Geschichte des Amtes Brackel. Herausgegeben von der Stadtsparkasse Dortmund, 1985.

 

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